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Clanbuch: Lasombra

Autor: Bruce Baugh

Art: Quellenband

Softcover - 104 Seiten - Feder & Schwert

Erscheinungsdatum: September 2003

ISBN: 3-935282-78-8

Erhältlich bei: Amazon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

_Die Letzten Nächsten haben den edlen Adel des Clans der Hüter pervertiert und zu den gefürchteten Aristokraten des diabolischen Sabbat gemacht. Nun erscheint rechtzeitig vor der „Zeit der Abrechnung“ das vom Verlag Feder & Schwert vertriebene Clanbuch: Lasombra. Es schließt die 13teilige Quellenband-Reihe für „Vampire: Die Maskerade“ ab. Bei dem Clanbuch handelt sich um die deutsche Übersetzung der amerikanischen Originalausgabe von Bruce Baugh, welche beim Verlag White Wolf erschienen ist. Das genau 100 Seiten dicke Buch ist neben der Einleitung in drei Kapitel eingeteilt und fügt sich vom Layout und inhaltlichen Aufbau nahtlos in die Clanbuch-Reihe ein. Das Cover zeigt das bereits von anderen Publikationen hinlänglich bekannte Bild einer der berühmtesten Vertreterinnen des Clans Lasombra: Lucita, Kind des vernichteten Kardinal Moncada. Die Illustrationen im Innern sind größtenteils von eher mittelmäßiger Qualität, wie von White Wolf bereits gewöhnt. Hervorheben möchte ich aber die feinen Zeichnungen von Andrew Trabbold, welcher meiner Meinung nach in seinen Bildern hervorragend die Stimmung der Meister der Schatten einfängt. Das Layout ist insgesamt von solider Qualität mit eigentlich nur einem Kritikpunkt: Die in der einleitenden Kurzgeschichte verwendete verschnörkelte Schrift ist zu klein, um den Text noch angenehm lesen zu können.

 

Nach alter Tradition der Regelwerke und Quellenbände von White Wolf besteht die Einleitung: „In den Armen der Finsternis“ aus einer Kurzgeschichte, welche die besondere Atmosphäre und das Wesen des Clans einzufangen versucht. In dieser begegnet man dem gelähmten Mann Andrew, der innerhalb der nächsten Minuten aufgrund eines weiteren schweren Autounfalls sterben wird. Während er über sein Leben mit all seinen harten Schicksalsschlägen nachdenkt, hört er eine Stimme hinter sich im Auto. Trotz eines Blickes in den Ruckspiegel bleibt die Stimme vorerst körperlos. Was sie ihm aber zu sagen hat, zeigt überdeutlich, dass sein ganzes verpfuschtes Leben eine Ursache hat – und diese sitzt hinter ihm…

Die Kurzgeschichte stellt den finalen Höhepunkt dar, wie der lange (Leidens-) Weg vom Leben zum Unleben aussehen könnte. Dieser ist gerade bei den Lasombra meist von monate- bis jahrelangen Prüfungen gekennzeichnet, in denen ein potentieller Erzeuger versucht, einen vielversprechenden Kandidaten für den Kuss zu brechen, um zu testen, wie dieser auf Widrigkeiten reagiert. Doch gerade beim kriegerisch veranlagten Sabbat ist es höchst zweifelhaft, dass ein Erzeuger sein Kind bewusst zum Krüppel macht, welches sich, wie man später noch im Buch erfahren wird, nur noch durch Hilfe von Schattententakeln fortbewegen kann.

 

Im darauf folgenden Kapitel Eins: „Ein spiegelloser Korridor“ begegnet man dem in der Vorgeschichte erschaffenen Vampir Andrew wieder. Mittlerweile führt er ein Rudel aus Lasombra an. Das Rudel erhält gerade Lektionen über die Geschichte des Clans aus verschiedenen Sichtwinkeln - aus dem der afrikanischen Erzeugerin Andrews, eines Paladin, eines fast 1000jährigen Ahn und eines chinesischen Lasombras. Angefangen bei den Ursprüngen auf Erden über die Antike, in der die Lasombra hauptsächlich die Piraterie auf den Meeren beherrschten, vorbei an der Anarchenrevolte und der Vernichtung des Clansbegründers durch sein ehrgeiziges Kind Gratiano erstrecken sich die Lektionen bis in die heutigen Nächte hinein. Ergänzt werden diese durch eine Übersicht der Populationen der Lasombra in der alten und neuen Welt, Afrika und Asien. Den Abschluss der Lektionen bildet ein kurzer Bericht einer Lasombra antitribu, welche sich vom Sabbat abgewandt hat, und die Geschichte des Clans aus einem ganz anderen Blickwinkel erzählt.

Anfangs sind die Texte sehr vage gehalten und dementsprechend sehr zäh zu lesen. Gegen Ende werden die einzelnen Abschnitte aber konkreter. Deswegen, und durch die verschiedenen Sichtweisen, schafft es der Text, streckenweise recht interessant zu werden. Insgesamt bietet das erste Kapitel aber jedem, der bereits etwas mehr als das Grundregelwerk gelesen kann, kaum neue Erkenntnisse. Außerdem werden Begriffe, wie z.B. bestimmte Fraktionsnamen, verwendet, die leider erst später erklärt werden. Dies ist vor allem für die Leser sehr verwirrend, die sich zum ersten Mal mit dem Clan auseinandersetzen. Zumindest ein kleiner Hinweis auf die später noch folgenden genaueren Erklärungen hätte hier sehr geholfen.

 

Das Kapitel Zwei: „Die lichtlosen Hallen der Hüter“ beginnt mit der Beschreibung, wie man über den kurzen Weg als „Schaufelkopf“ für die Stoßtruppen des Sabbats oder über den langen Weg mit seinen monate- bis jahrelangen Tests des möglichen Kandidaten für den Kuß zum Lasombra wird. Es werden die Art der Tests und die Leidenschaften, auf welche der Erzeuger bei der Auswahl seines zukünftigen Kindes achtet, vorgestellt. Auch die harte Schule, durch die ein neu erschaffener Lasombra gehen muß, wenn er die nächsten Jahre im Sabbat überleben will, wird beleuchtet.

Darauf folgt ein Einblick in die Kultur der Lasombra. Der Leser erhält in kurzen Abschnitten einen Überblick über die zahlreichen Fraktionen innerhalb des Clans: die Fraktionslosen, die Kreuzfahrer, die Gläubigen, die Schwarzen Engel, die Kinder des Abgrunds, die Könige und Königinnen der Schatten, die Korsaren, die Transhumanisten, die Fatalisten und die Verdammten.

Obwohl der Clan keine permanente Hierarchie aufrechterhält, gibt es für unvermeidliche Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern die einzig bekannte Institution des Clans – die Blutgerichte, welche über Unleben und Tod entscheiden. In ihre Arbeitsweise samt der dahinter stehenden elitären Gruppe „Die Freunde der Nacht“ gibt der Clanbuch: Lasombra im folgenden Einblick.

Danach geht das Quellenband kurz auf den Tagesablauf und Lebensstil der Lasombra ein.

Auf etwa eineinhalb Seiten wird die Minderheit des Clans, die Lasombra antitribu, vorgestellt, die sich selber nie so nennen würden. Neben der Darstellung zweier Linien, die den Sabbat aus zwei diametral entgegengesetzten Gründen ablehnen, erfolgt eine Beschreibung wie Antitribu den Kuß weitergeben bzw. wie man über schwere und gefährliche Wege aus dem Sabbat überläuft. Der ganze Abschnitt ist leider sehr kurz geraten und bietet kaum nennenswerte Informationen.

Natürlich fehlt auch in diesem Clansbuch nicht die stereotypische Meinung der Mitglieder des Clans Lasombra über die anderen Clans, die Sekten und andere übernatürliche Kreaturen. Über Sinn und Zweck dieser sehr oberflächlichen Betrachtungen lässt sich aber, wie bei den anderen Clanbüchern, streiten.

Nach diesen Einblicken in die Hintergründe und das Wesen des Clans geht das zweite Kapitel in den regeltechnischen Teil über. Es werden neue Vorzüge und Schwächen aufgelistet, die sich hauptsächlich auf die Affinität der Lasombra zu den Schatten und zum Meer beziehen. Es folgt eine Beschreibung, wie Lasombra sich von der Menschlichkeit abwenden und einem Pfad folgen. In diesem Zusammenhang werden neue Variationen des „Pfad der Nacht“ vorgestellt, welche diesem Glaubensystem Individualität verleihen.

Daraufhin folgt die Darstellung der Clansdisziplinen Beherrschung, Stärke und Schattenspiele. Beherrschung und Stärke werden aber nicht mal annähernd auf einer halben Seite abgehandelt. In diesen sehr kurzen Abschnitten wird vor allem darauf eingegangen, wie der Clan diese Disziplinen in Verbindung mit den „Schatten“ sieht. Letztendlich lassen sich diese in den Augen der Lasombra auf die Königsdisziplin Schattenspiele zurückführen. Dagegen wird auf sämtliche Schattenspiel-Stufen bis Level 5 deutlich ausführlicher eingegangen. Die detaillierte Schilderung der Anwendungsmöglichkeiten und Erscheinungsformen der clanseigenen Disziplin ist deutlich düsterer und atmosphärischer als im Grundregelwerk. Es ist auf jeden Fall eine Inspiration für Spieler, die Anwendung der Disziplin stimmungsvoller zu beschreiben als dem Spielleiter nur die Anzahl der Erfolge mitzuteilen.

Abgesehen von der einzigen Disziplinkombination „Leichentuch der Abwesenheit“, deren Wirkung ähnlich der von Verdunkelung ist, und einem Ritual zum „Abstieg in die Dunkelheit“ wurde auf weitere neue Disziplinsausprägungen und die sonst üblichen Methusalem-Kräfte verzichtet.

 

Den Anfang des dritten Kapitel: „Neue Schatten“ bilden die obligatorischen Beispielcharaktere mit vorgefertigten Charakterbögen für die Pen&Paper- und Live-Version des Rollenspiels. Auch hier lässt sich über Sinn und Zweck dieser Beispielcharaktere streiten. Davon mal abgesehen stimmen aber ein paar der Beschreibungen, wie beispielsweise die Fertigkeiten des „Piraten“, nicht mit den Werten auf den Bögen überein. Auch sind ein paar dieser Charaktere wirklich ein Witz: Bei „Der Glückstreffer“ handelt es sich zum Beispiel um eine sechzig Jahre alte Oma, die ihr Rudel bemuttert.

Im zweiten Teil des Kapitels wird sehr ausführlich eine Beispielbrut vorgestellt, deren Mitglieder hauptsächlich über moderne Kommunikationsnetzwerke, wie das Internet, miteinander arbeiten und über Computertechniken den „Feind“ ausspionieren und sabotieren. Dies ist zwar mal ein anderer Ansatz, aber nicht gerade atmosphärisch.

Natürlich darf auch in diesem Quellenband eine Beschreibung der bedeutenden Kainiten des Clans nicht fehlen, wobei der vernichtete Kardinal Moncada und sein Kind Lucita sehr oberflächlich angekratzt werden. Vermißt habe ich hier die Beschreibung des ältesten noch aktiven Kindes Lasombras, Montano, und des jüngsten Kindes des Vorsintflutlichen, Gratiano, welches letztendlich seinen Erzeuger vernichtet hat.

 

Den Abschluss des Quellenbandes bildet ein 4seitiger, clanspezifischer Charakterbogen, welcher sich von den anderen Bögen der 3. Edition nur durch das eingefügte Clansymbol, die Krone, und der Eintragung der Clanschwäche von denen der anderen Clans unterscheidet.

 

Fazit:

_Das Clanbuch geht ausführlich auf die Kultur des Clans ein und zeigt, wie man einen Vertreter stimmungsvoll verkörpert. Es ist gerade durch die verschiedenen Blickwinkel im ersten Kapitel und das gelegentliche Auftauchen des aus der Kurzgeschichte bekannten Lasombra in kurzen, einleitenden Passagen, größtenteils sehr interessant geschrieben.

Im Ganzen hinterlässt das Clanbuch aber einen enttäuschenden Eindruck. Oft hat man das Gefühl, dass bestimmte Themen bei diesem eigentlich sehr interessanten Clan nur oberflächlich gestreift werden. Es werden weder die abscheulichsten Geheimnisse noch die langfristigen Ziele des Clans angesprochen, wie der Klappentext vollmundig verspricht – es wird überhaupt kein Geheimnis gelüftet. Wer sich auch nur ein bisschen in der Welt der Dunkelheit auskennt, wird in diesem Buch kaum etwas Neues finden.

Es wäre sicher sehr interessant gewesen, Licht in die endlose Dunkelheit des Clans der Meiser der Schatten zu bringen. So ist es zwar technisch sehr gut, inhaltlich erreicht es aber nur die Hälfte von dem, was ich mir von einem Clanbuch erhoffe.

 

 

[ christoph fischer ]

[ alchemy(at)avalon-projekt.com ]


 

 


Stand:  2004-07-22 11:51 | Es ist 1 Besucher online. | Ihr seid nicht angemeldet.