Ghost in the Shell
Genre: Animated Thriller
FSK: (in Deutschland) Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Mamoru Oshii
Drehbuch: Kazunori Itô (basierend auf den gleichnamigen Mangas von Masamune Shirow)
Soundtrack: Kenji Kawai
Englisch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 2.0 Surround)
Untertitel: Englisch
Bildformat: 1.85:1
Laufzeit: 115 Minuten
Länder-Code: 1 (USA)
Disc-Type: DVD 5
Screen-Menüs: Englisch
Special Features: Englischer Trailer und Making-Of
DVD Erscheinungstermin: März 1998
In naher Zukunft greifen Medienkonzerne nach den Sternen, Elektronen und Lichtströmen im Universum.
Doch hat fortgeschrittene Computerisierung Nationen und ethnische Gruppen noch nicht ausgelöscht.
_Im Jahr 2029 hat die digitale Informationsflut alle Bereiche der Gesellschaft überschwemmt. Die Welt ist durch das digitale Netz enger zusammengerückt. Zwar bestehen noch Nationalstaaten und ethnische Gruppen, doch der Unterschied zwischen Macht und Machtlosigkeit wird durch den Zugang zu Informationen bestimmt. In diesem Zeitalter ist künstliche Intelligenz kein Wunschtraum mehr, sondern alltägliche Realität. Auch vor dem menschlichen Körper hat die technische Evolution nicht halt gemacht: Zahlreiche Körperverbesserungen, angefangen bei künstlichen Gliedmassen bis hin zu Gehirnkapazitätserweiterungen, stehen den Menschen mit entsprechenden Verdingungen zur Verfügung. Dadurch ist es mittlerweile nahezu unmöglich, auf den ersten Blick zu erkennen, ob eine menschlich aussehende Person auf natürliche Art und Weise geboren wurde (Mensch), nachträglich modifiziert wurde (Cyborg) oder ob es sich um eine alleinige Kreation des Netzes handelt (Android). Die Cyborgs haben, neben mehr oder weniger vielen menschlichen Organen, nur noch eines mit dem „echten“ Menschen gemein: Ihren „Ghost“ (Geist), das Bewusstsein, die Seele. Dieser „Ghost“ ist in der „Shell“ (Hülle) letztendlich gefangen, sei es der künstliche Körper des Cyborgs oder die gewohnte menschliche Hülle. Major Motoko Kusanagi ist eine solch künstlich verbesserte Person. Sie gehört dem Top-Geheimdienst „Sektion 9“ an.
Diese fortgeschrittene Computerisierung hat aber auch ihre Schattenseiten. Skrupellose, mysteriöse Computer-Hacker - halb Mensch, halb Maschine - verschaffen sich illegal Zugang zu streng geheimen Informationen und schrecken selbst vor einer Verletzung der cybergenischen Ethik nicht zurück. So auch der Hacker mit dem Pseudonym „Puppet Master“ (Puppenspieler). Er hackt sich über das Netz in die computergestützten Gehirne anderer, um sie seinem Willen zu unterwerfen. Danach begehen diese, nur noch in einer Welt gefälschter Sinneseindrücke und Erinnerungen lebenden Geschöpfe, die Verbrechen des Puppet Master, während jener unentdeckt im Hintergrund bleibt.
Zusammen mit ihren Partnern Bateau, ebenfalls ein Cyborg, und Togusa, noch weitgehend menschlich, wird Motoko auf den Fall angesetzt, um diesen körperlosen Dämon aufzuspüren und umgehend auszuschalten ...
Der 1995 weltweit gleichzeitig angelaufene Kinofilm „Ghost in the Shell“ (GITS) zählt mittlerweile zu den Klassikern japanischer Filmkunst. „Ghost in the Shell“ ist wahrscheinlich neben „Akira“ eines der bekanntesten Animes hierzulande und gilt als die bis dahin wohl gelungenste Adaption typischer Manga-Elemente für die großen Leinwände der westlichen Welt. Das Wort „Anime“ leitet sich vom englischen Begriff „Animation“ ab und bedeutet wortwörtlich „bewegte Bilder“, also soviel wie Zeichentrick. In unserem Sprachgebrauch ist dieses Wort für japanische Zeichentrickserien oder –filme reserviert, obwohl die Japaner diesen Begriff auch für Zeichentrickfilme/ -serien von Walt Disney und Marvel Universum verwenden.
„Ghost in the Shell“ ist aber kein Kinderfilm. Schon in den ersten fünf Minuten wird klar, dass GITS ein Zeichentrickfilm für Erwachsene ist. Als Vorlage für das Anime diente die zehnbändige, gleichnamige Manga-Serie von Masamune Shirow (in Deutschland bei Feest Comics erschienen), die sich inhaltlich mit der Frage beschäftigt, wo die Maschine aufhört und das Leben beginnt. Der Film weicht allerdings in einigen Punkten von der Comic-Vorlage ab. Masamune Shirows Manga ist hauptsächlich eine gelungene Mixtur aus schneller und gewalttätiger Action, einem Haufen wissenschaftlicher Details, einem extravaganten Sinn für Humor und natürlich einem nicht zu übersehenden Hauch von Erotik. Die Filmadaption von Mamoru Oshii, welcher auch bei den beiden „Patlabor“-Kinofilmen und dem Realfilm „Avalon“ Regie geführt hat, sowie als Storyschreiber und Produzent des Anime „Jin Roh“ tätig war, ist dagegen ernster und tiefgründiger. Auch das Wesen der Hauptfigur Motoko hat sich im Vergleich zum Original verändert. Aus der ausdruckstarken und mit erotischen Reizen nicht geizenden Frau im Cyborg-Körper wird eine nachdenkliche und monoton redende Person, die ihren Körper stets in den Dienst ihrer jeweiligen Absicht stellt. Während Shirow im Manga seine Technikbegeisterung auslebt, verfolgt das Anime in erster Linie philosophische Aspekte. Dies führt zu längeren, ruhigen Szenen, in welchen sich der Film mit ethischen und philosophischen Fragen auseinandersetzt oder dem Betrachter Zeit lässt, über das bisher Gesehene nachzudenken.
Den Film als reine Comic-Verfilmung zu betrachten wäre deshalb nicht angebracht. Seine Stärken liegen auch ganz woanders: Der zentrale Kern von „Ghost in the Shell“ ist die Psyche der Cyborgs. Die wiederholte Betrachtung des Themas geben dem Film einen tieferen Sinn und einen Leitfaden, der aus GITS weit mehr macht als ein in brillanten Farben erstrahlendes Anime – „Ghost in the Shell“ ist state-of-the-art Science-Fiction.
Das Design und die Animationen von „Ghost in the Shell“ sind von höchster Qualität. Die Special-Effects wie Zoom, Wasser- und Verschwimmeffekte, sowie das Verbinden von Computergrafik und Handanimation haben damals neue Maßstäbe gesetzt, ohne dass der Einsatz von Computern in den Vordergrund tritt oder zum Selbstzweck wird. Auch heute zählt GITS noch zu den aufwendigsten Zeichentrickfilmen, die je produziert wurden – und das sieht man ihm trotz seines Alters an. Der Film zaubert in eindrucksvollen Bildern ein realistisches Panoptikum der Welt des Jahres 2029 auf die Leinwand. Auf den ersten Blick könnte in diesem Zusammenhang das steif wirkende Charakterdesign verstörend wirken. Mit diesem anscheinend gewollten Stilmittel rückt Mamoru Oshii die künstliche Art der Cyborgs gekonnt ins Bild. Auch könnten die längeren, ruhigeren Szenen, in denen man die Vorbereitung einer weiträumigen Straßensperrung verfolgen kann oder die Fahrt auf einem Boot durch die Innenstadt, actiongewohnte Zuschauer langweilen. Doch gerade hier erhält der Zuschauer die Möglichkeit, das bisher Gezeigte zu reflektieren und die wunderschönen Bilder auf sich wirken zu lassen.
Die Begleitmusik zu „Ghost in the Shell“ stammt von Kenji Kawai, welcher u.a auch die Soundtracks zu „Patlabor“ I und II, „Devilman“ und „Vampire Princess Miyu“ komponiert hat. In der Musik überwiegen streng rhythmische und melancholisch-düster anmutende Elemente von zuweilen provozierender Gemächlichkeit und Eintönigkeit. Diese werden immer wieder vom hellen Gesang Sakeo Higachis unterbrochen und kontrapunktiert. Wichtigste Instrumentarien sind der Synthesizer und hypnotische Paukenrhythmen, wobei die getragene Musik die meist Zeit mit der Stille und sphärischen Halleffekten im virtuellen Klangraum spielt. Dies verleiht ihr manchmal den Charakter von Meditationsmusik. Ein außergewöhnlicher Film eben, mit einer außergewöhnlichen Musik!
Die Soundeffekte in GITS sind erstklassig: Sei es nur das Getrippel von Schritten oder die Rotorengeräusche von Hubschraubern. Ob man mit dem Gesang in japanischer Sprache etwas anfangen kann oder nicht, muß jeder selbst für sich herausfinden – er passt jedoch hervorragend zu den gezeigten Bildern und trägt wesentlich zum Gesamteindruck bei.
Um mögliche Verwirrungen bei einem etwaigen Kauf vorweg zu nehmen: Es gibt von „Ghost in the Shell“ mehrere Versionen, die ich hier kurz vergleichen möchte. Zum einen ist die Code 1 (USA) DVD Fassung erhältlich. Sie enthält sowohl die englische (Dolby Digital 5.1) als auch die japanische (Dolby Digital 2.0 Surround) Synchronfassung, sowie zuschaltbare englische Untertitel. Neben dem anamorph aufgezeichneten Hauptfilm sind noch einige Trailer, sowie das ausführliche Making-Of auf der DVD enthalten. Obwohl über 2 Stunden Filmmaterial auf eine DVD-5 (eine 1 Seite / 1 Schicht) gebunden wurden, ist die Bildqualität sehr gut.
Einen großen Bogen sollte man allerdings um die Code 2 (UK) DVD Version machen, da sie einen schweren Mastering-Fehler aufweist: Sowohl bei der englischen als auch bei der japanischen Audiospur läuft der Ton nicht synchron zum Bild.
Desweiteren gibt es eine Codefree Fassung aus Australien, welche die wohl beste Bildqualität bietet (anamorphe Neuabtastung der Filmrolle mit erhöhter PAL-Auflösung). Allerdings liegt beim englischen Ton nur Dolby Digital 5.0 (kein Extra Subwoofer Kanal) vor. Der japanische Ton (DD 2.0), sowie der englische Untertitel und das Making-Of, sind ebenfalls enthalten.
Darüber hinaus gibt es noch diverse VHS-Versionen, die jedoch keine Extras wie z.B. das ausführliche Making-Of bieten, und aufgrund veralteter Technik relativ uninteressant sind. Die deutsche VHS-Version ist allerdings zurzeit die einzige Möglichkeit, den Film in deutscher Synchronfassung zu sehen.
Fazit:
_„Ghost in the Shell“ ist eines der besten Animes, die ich kenne. Es ist optisch hervorragend in Szene gesetzt und bietet eine interessante und bis zum Ende spannende Handlung. Der Soundtrack ist zwar eigenwillig, aber von gehobener Qualität und untermalt die Szenen sehr gut. Der Film ist nicht nur für Anhänger des Science-Fiction oder Anime-Fans, sondern auch für den Mainstream geeignet. Hierbei darf man aber nicht den Fehler machen, „Ghost in the Shell“ als reine Manga-Verfilmung zu sehen. Die Grundidee und die Handlung sind zwar dem Manga entnommen, doch der Film ist deutlich ernster und konzentriert sich mehr auf philosophische Aspekte. Dass „Ghost in the Shell“ nie zum Kassenschlager wurde, dürfte wohl in erster Linie daran liegen, dass der Film anspruchsvoll ist. Eigentlich schade, denn sehenswert ist er auf jeden Fall.
[ christoph fischer ]
[ alchemy(at)avalon-projekt.com ]
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