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Avalon – Spiel um Dein Leben

Genre: Cyberthriller

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Darsteller: Malgorzata Foremniak, Jerzy Gudejko, Darius Biskupski, Bartek Swiderski, Wladyslaw Kowalski

Regie: Mamoru Oshii

Drehbuch: Kazunori Itô

Soundtrack: Kenji Kawai

Sprachen / Tonformat: Deutsch, Polnisch / 5.1 (Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch

Bildformat: 1:1,85 (16:9 anamorph)

Laufzeit: 102 Minuten

Länder-Code: 2 / PAL

Disc-Type: DVD 9

Screen-Menüs: Deutsch

Special Features: deutscher und polnischer Trailer

DVD Erscheinungstermin: November 2002

Erhältlich bei: Amazon

 

 

 

 

In einer Zukunft, die einmal verheißungsvoll erschien...

 

Um eine innere Leere zu füllen, widmet sich die Jugend einem illegalen virtuellen Kriegsspiel. Der simulierte Tod, den man dort sterben kann, ist eine großer Verlockung und Herausforderung für zahllose Game-Freaks wie auch für Spielergemeinschaften, die man "Teams" nennt....

 

Es ist ein gefährliches Spiel, das die Gehirne der Verlierer zerstört und sie in lebendige Leichname verwandelt, die dann als "Verschollene" dahinvegetieren müssen. Das Spiel wurde nach einer mythischen Insel benannt, auf der die Seelen der gefallenen Helden ihre letzte Ruhe finden: Avalon

 

 

_„Avalon – Spiel um Dein Leben“ ist der erste Realfilm von Mamoru Oshii, welcher hierzulande vor allem durch den Kinofilm „Ghost in the Shell“ und die beiden „Patlabor“-Animes Bekanntheit errungen hat. Doch der Sprung von der gezeichneten Realität zur gefilmten Irrealität ist ihm ausgesprochen gut gelungen.

Gedreht wurde der Film komplett in Polen mit polnischen Schauspielern und der Unterstützung der polnischen Armee. Die Darsteller dürften aber dem durchschnittlichen deutschen Publikum unbekannt sein.

„Avalon – Spiel um Dein Leben“ ist nach fast 2 Jahren Produktionszeit 2001 erschienen und hatte bei den 54. Internationalen Filmfestspielen in Cannes seine Weltpremiere. Im November 2002 erschienen bei "Kinowelt Home Entertainment" das deutsche Kaufvideo und die DVD.

 

Auch wenn die Handlung entfernt an "Matrix" erinnert, ist sie doch ungleich komplexer und weniger actionlastig: Ash (Malgorzata Foremniak) ist süchtig nach Avalon. Wie viele andere taucht sie jeden Tag aufs Neue in die virtuelle Welt des berüchtigten, aber illegalen Computer-Spiel ein. Ash ist eine der härtesten Profi-Spieler, denn sie gibt niemals auf, ehe nicht auch der letzte Gegner auf den simulierten Kriegsschauplätzen ausgeschaltet wurde. Doch auf eine Ebene drang Ash bislang noch nie vor: Der "Special Class A Level" von Avalon steht nur einer kleinen, elitären Gruppe von Spielern offen. So wie ihrem Freund Murphy, der seit kurzem jedoch völlig apathisch in einer Art Wachkoma dahinvegetiert. Als Ash nun die unglaubliche Chance erhält, selbst in Level A aufzusteigen, zögert sie keine Sekunde. Doch Ash hat keine Ahnung, dass sie damit das riskanteste Spiel ihres Lebens spielen wird. Von Level A kehrte bislang niemand wieder zurück...

 

„Avalon – Spiel um Dein Leben“ erzählt in ruhigen, stilisierten, aber immer beeindruckenden und fast schon verstörenden Bildern eine Geschichte irgendwo zwischen eXistenZ, Dark City und Matrix. Mamoru Oshii arbeitet mit den bereits aus seinen Animes bekannten Stilelementen: angefangen beim stark an „Ghost in the Shell“ erinnernden Aufbau der Welt von Avalon über die minutenlangen, ruhigen Szenen in der Stadt bis hin zu den Charakternahaufnahmen.

Ein Großteil dieses Werkes wurde nachträglich am Computer bearbeitet und verfremdet, was sich hauptsächlich in der Farbgestaltung bemerkbar macht. Die Welt von Ash außerhalb und im Spiel erstrahlt in tristen Braun-Grautönen. Dies gibt sicher insbesondere beim Wechsel in die „Class Real“-Ebene Anlass zur Diskussion.

An den recht dezent eingesetzten Spezialeffekten ist nur wenig auszusetzen. Gerade der Levelaufbau, einige Explosionen und das Zersplittern besiegter Gegner sind von hohem technischem Niveau. Daneben gibt es sehr künstlich wirkende Elemente – z.B. die Hubschrauber – SFX, doch dies ist ganz deutlich auch so beabsichtigt. So hinterlässt der Film, mit eigenem Stil und technisch hervorragend in Szene gesetzt, einen bleibenden Eindruck.

Der Ton in Deutsch und Polnisch liegt in 5.1 (Dolby Digital) vor. Auf Wunsch gibt es zuschaltbare Untertitel. Die deutsche Synchronisation ist von recht ordentlicher Qualität. Die Möglichkeiten von 5.1 werden aber nicht voll ausgereizt. Die meiste Zeit dominiert die Hintergrundmusik auf den Surroundkanälen, die wirklich passend zu den Szenen ausgewählt wurde und die Stimmung sehr gut untermalt, oder sie werden für kaum hörbare Effekte wie z.B. das Hallen von Schritten benutzt. Der Soundtrack für Avalon wurde von Kenji Kawai komponiert, welcher schon für die Musik von „Ghost in the Shell“ oder „Vampire Princess Miyu“ verantwortlich war. Eingespielt hat ihn das Warsaw Philharmonic Orchestra, mit dem auch schon die Soundtracks von den Animes „Escaflowne“ und „Giant Robo“ aufgenommen wurden. Das Thema der Musik wechselt zwischen ruhigen, unterschwelligen und sphärischen Klängen, für die Kenji Kawai so bekannt ist, und monumentalen Orchesterstücken mit Sopransängerin und großem Chor.

 

Wenn man die DVD aufmacht, fällt einem ein beidseitig bedrucktes Inlay in die Hand. Auf der Vorderseite zeigt es bereits das vom Cover der DVD-Hülle bekannte Kinoplakat. Auf der Rückseite ist die Kapitelstruktur aufgelistet. Das Screen-Menü ist sehr schön gemacht. Es zeigt im Stil des Films gehaltene Computerdisplays, Spielszenen oder Örtlichkeiten in einer Endlosschleife. Die Übergänge und der Bildaufbau sind teilweise animiert und mit Musik unterlegt. Die jeweiligen Auswahlmöglichkeiten sind gut erkennbar in den Hintergrund auf Wänden und Gegenstände eingebunden.

An Extras bietet die DVD nur den Original-Trailer in polnischer und deutscher Sprache mit einer Laufzeit von etwas mehr als 90 Sekunden. Es ist extrem schade, dass das ausführliche Making-Of über Special-Effects, Geschichte, Locations, Storyboard usw. von insgesamt ca. 150 Minuten, welches der japanischen Deluxe Version beilag, bei der deutschen Version komplett weggelassen wurde.

Es gibt zwei Versionen der DVD: mit FSK 12 oder FSK 18. Letzterer liegt ein einfaches DVD-Spiel bei, bei dem man durch Druck auf die Pfeiltasten der Fernbedienung auf ankommende Gegner schießen kann, was für die hohe Altersfreigabe verantwortlich ist. Der Film selber ist in beiden Fassungen unzensiert und ab 12 Jahren freigegeben.

 

Fazit:

_„Avalon – Spiel um Dein Leben“ ist ein Film, an dem sich die Gemüter scheiden werden. Einerseits malt er die Zukunft gekonnt in düsteren und tristen Farben, perfekt untermalt von einem klasse Soundtrack, und die „Spielgrafik“ von Avalon beeindruckt gerade durch die Tatsache, dass sie nicht perfekt ist. In Zeiten der hauptsächlich auf Special-Effects setzenden Filmindustrie ist es mehr als erfreulich, dass es noch Filme gibt, die eine interessante und spannende Handlung besitzen, die mehr macht, als bis zur nächsten Action-Szene überzuleiten – Avalon hält für den aufmerksamen Beobachter eine gesellschaftskritische Botschaft bereit und lässt den Zuschauer, gerade durch einen letzten Satz kurz vor dem Abspann, nachdenklich in seinem Fernsehsessel zurück.

Auf der anderen Seite wird gerade die sich wiederholende Darstellung der verkommenen Zukunft mit ihren verfallenen Wohnblöcken und leeren Straßenbahnen für viele schlichtweg langweilig sein, obwohl man aber gerade in diesen Szenen Zeit hat, über das bisher Gesehene nachzudenken und wieder zu Atem zu kommen. Typisch für Filme unter japanischer Regie ist sicher die fast schon glorifizierende „Vorführung“ von Waffensystemen und ihrer Zerstörungsgewalt: Panzer fahren mit Höchstgeschwindigkeit über gemähte Kornfelder oder bahnen sich ihren Weg durch in Aufruhr befindliche Straßenzüge, ein Flugabwehr-Panzer speit seine totbringende Munition in den Himmel und futuristisch wirkende, schwere Kampfhubschrauber verwandeln die Erde unter sich in eine Kraterlandschaft. Das Ganze erstrahlt in den schönsten Farben und glänzt mit bombastischen Soundeffekten. Ob nun eine solch verherrlichende Darstellung von Kampfszenen in Zeiten der massiv in Kritik geratenen Ego-Shootern nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt, doch steckt vielleicht gerade darin eine nachdenklich stimmende Botschaft.

Der einzig wirklich schwere Kritikpunkt liegt bei der DVD „Avalon – Spiel um Dein Leben“ darin, dass Kinowelt Home Entertainment nur den Original-Trailer in polnischer und in deutscher Sprache als Extra beigelegt hat. Dadurch werden die Vorzüge der DVD gegenüber der Videokassette, die neben der besseren Bildqualität darin bestehen, dass Zusatzmaterial mitgeliefert wird, einfach dem Rotstift geopfert. Dabei stimmt der relativ niedrige Kaufpreis von ca. 18 € für eine aktuelle DVD nur ansatzweise versöhnlich.

So bleibt nur noch eins zu sagen: Läßt man sich auf den Film und seine Art, in symbolträchtiger Bild- und Farbsprache die Geschichte zu erzählen ein, dann ist „Avalon – Spiel um Dein Leben“ wirklich ein Geheimtipp, der weit mehr bietet als brillante Bilder und einen klasse Soundtrack. Besonders Fans der Materie und aufgeschlossene Menschen, die sich nicht von einer komplexen und teilweise verwirrenden Geschichte abschrecken lassen, sollten unbedingt einen Blick riskieren.

 

 

[ christoph fischer ]

[ alchemy(at)avalon-projekt.com ]


 

 


Stand:  2004-02-04 18:42 | Es ist 1 Besucher online. | Ihr seid nicht angemeldet.