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Tribebook: Glasswalkers

Sprache: Englisch

Autor: Sean Riley

Art: Quellenband

Softcover - 104 Seiten - White Wolf Game Studio

Erscheinungsdatum: August 2002

ISBN: 1-58846-308-7

Erhältlich bei: Amazon

 

 

 

 

 

 

 

 

_Nicht alle Werwölfe leben in den Wäldern. Manche pirschen durch die Straßen der Stadt, Jagen ihre Beute in Seitengassen und Sitzungssälen. Die Technologie ist ihr Verbündeter und die Computer sind ihre Sklaven.

 

Die Rede ist von den Glaswandlern und diese Zeilen leiten dem Klappentext des sechsten Stammesbuch von Werwolf: Die Apokalypse ein. Weiterhin verspricht es den Leser in die mystischen Geheimnisse des Stammes, seiner Macht über die Technologie, ihre Kampftaktiken in Zeiten der Apokalypse zwischen Elektronik und Beton und in die geheimen Lager des Stammes einzuweihen. Wie weit ist wohl der von allen Stämmen der Garou der Weberin am nächsten stehende Stamm wirklich schon von Gaia abgefallen? Wird er sogar der Weberin schon ins Netz gegangen sein und ist der Stamm wirklich so mächtig im Umgang mit Technologie? Diese Fragen im Hinterkopf und durch den Klappentext einiges erwartend schlage ich gespannt das von außen im gewohnt guten Anblick der dritten Edition daherkommende Softcover auf.

 

Schon zur Tradition bei White Wolf, dem bekannten Verlag hinter Werwolf, scheint es zu gehören seine Bücher mit einer Kurzgeschichte einzuleiten, um den Leser in die Welt zu ziehen. Diese ist auch wirklich gut geschrieben und stellt einen guten Einstieg in eine weniger gelungenes Angriffsmanöver eines Rudels aus Glaswandler und Blutsgeschwister auf ein Wyrmverseuchte Firma da. Sie ist stimmungsvoll und weckt die Lust mehr über diesen Stamm zu erfahren. Überhaupt wurde anscheinend sehr viel Wert beim Schreiben dieses Stammesbuchs darauf gelegt, die Stimmung von Werwölfen zwischen Hochhäusern und Beton wiederzugeben.

 

So wird das erste Kapitel: Mythological Logic über die Geschichte des Stammes in Form einer Videokonferenz zwischen einem nicht näher beleuchteten Reporter (der Leser) und einem Rudel von Glaswandlern besprochen. Dadurch werden geschickt verschiedene Ansichten zu den einzelnen Epochen und Geschehnissen von der mystischen Vorzeit über das alte Rom bis hin zur Neuzeit eingeflochten. Doch gerade wegen der sehr großen Zeitspanne ist diese Betrachtung sehr oberflächlich und grob. Trotzdem ist es interessant wie sich der Stamm jeder Zeit, jedem Kontinent und den Menschen immer wieder anpaßt. Das geht sogar soweit, daß der Stamm mehrmals in seiner Geschichte als Wächter der Menschheit seinen Namen und Aufbau wechselt. Manchmal existieren sogar mehrere "Glaswandlerstämme" gleichzeitig unter verschiedenen Namen, um dann immer wieder durch das stärkere Lager geeint zu werden. Doch richtig interessant wird es erst wenn die Konferenz zur Geburtsstunde der heutigen Glaswandler kommt.

 

Im daran anschließenden Kapitel: Networking wird die Gesellschaft der Garou besprochen. Auch dieses ist interessant und vor allem deutlich ausführlicher geschrieben. Vor allem die schnellere Form des ersten Ritus der Glaswandler, der "fast track", hat mich sehr überrascht. Nach der schon zum Standard gehörenden Beschreibung der stereotypischen Ansichten über andere Stämme und Fera, die Vorzeichen und die Auslegung der Litanei wird die in der Stadt deutlich schwierigere Verteidigung der Caerns beschrieben. Daraufhin werden die Blutsgeschwister und ihr deutlich zielgerichteter Einsatz in der Welt durch den Stamm beleuchtet. Auch wie sich die Riten der Glaswandler in den Städten von denen der Garou unter freiem Himmel unterscheiden wird angesprochen. Danach erreicht das Interview eines der wohl interessantesten und überraschenden Abschnitten -die Lager. Kein anderer Stamm wird wohl so sehr von so unterschiedlichen Lagern geformt wie dieser. Das einzig störende an diesem Kapitel ist, das viele Lagernamen bereits verwendet werden, bevor sie überhaupt beschrieben und als solche zu erkennen sind. Das ist besonders für Neulinge unter den Glaswandlern schlecht und verwirrend. Da hätte man wohl viel Lieber erst die Lager beschrieben. Hier wird auch mehr als deutlich, daß die Glaswandler nicht so schnell zur Weberin überlaufen werden. Ein Lager, auf das große Hoffnungen und dem eine große Zukunft vorhergesagt wurde, wurde nach bekannt werden der geheimen Experimente über Garou-Mensch-Killermaschinen ihres Anführers regelrecht über Nacht hingerichtet. Bei diesem Thema ist mit dem Rest des Stammes und besonders dem dominierenden Lager nicht zu Spaßen, wo doch so viele Stämme argwöhnisch die Glaswandler beobachten. Doch woher der Tipp kam und welcher Preis die Glaswandler dafür noch bezahlen müssen, darüber läßt das Buch dem Leser vorerst im Dunkeln.

 

Im dritten Kapitel: Corporate Headhunting wird die Charaktererschaffung beschrieben. Hier endet auch das Interview und der regeltechnische Aspekt tritt zu Tage. Auch dieses Kapitel ist sehr ausführlich und geht neben einem kurzen Überblick über die Besonderheiten der Erschaffung eines Glaswandler sehr schnell auf die Gaben der einzelnen Lager ein. Diese stellen vor allem neue mehr oder weniger nützlichere Gaben dar und nicht nur Verweise auf bereits existierende. Danach werden die wichtigsten Totems der Glaswandler "Stourbridge Lion" (Totem des Respekts), "The Monkey King" (Totem der Weisheit), "Clashing Boom-Boom" (Totem des Krieges), "O'Mighty Dolla'" und "Easy Credit" beschrieben. Dann folgt die Auflistung und Beschreibung von sechs regulären Fetische für Glaswandler. Doch sobald es um das größte Geheimnis der Glaswandler geht, wird das Buch mit jeweils drei Cyber- und drei Softwarefetische knauserig und verweißt auf das "Book of the Weaver".

Nach diesem ersten, aber dafür nach dem Klappentext wirklich schweren Tiefschlag, ist mir wieder positiv aufgefallen, daß bis auf die bereits im Regelwerk "Dark Ages: Werwolf" besprochenen "Warders" (Wächter), außerdem noch die Gaben der anderen Glaswandlerstämme aus verschiedenen Zeiten und Kontinenten, wie die "Tetrasomian" (Europa zur Zeit der Renaissance), "Iron Rider" (Amerika zur Zeit des Wilden Westens und Mitte des 19. Jhd. in Mitteleuropa) und die Boli Zonhize (Glaswandler des Ostens), aufgelistet werden.

 

Den Abschluß macht das Kapitel vier: Dossiers, mit der auch schon zu Tradition gehörenden Beschreibung berühmter Glaswandler und sechs vorgefertigten Stereotypen, deren Seiten meiner Meinung nach auch gut für wirklich interessantere Themen hätten verwendet werden können.

 

Fazit:

_Insgesamt wirkt die Aufmachung und das Seitenlayout professionell und orientiert sich eindeutig am bereits bekannten Aussehen von Werwolf. Die wenigen Zeichnungen dagegen sind eher mittelmäßig und nicht wirklich fesselnd. Da hatte White Wolf schon deutlich schönere Bilder zu bieten. Das einzig wirklich störende am Layout ist vielleicht, daß auch dieses Buch mit aller Gewalt versucht, wie anscheinend alle Stammesbücher, genau auf 100 Seiten plus einem Charakterbogen speziell für Glasswandler zu kommen. Doch durch diesen Rahmenzwang variiert die Schrift sehr oft und wird manchmal sichtbar zum Ende einer Seite hin mit jedem Kapitel kleiner.

 

Inhaltlich halte ich das Buch für sehr ausführlich, manchmal sogar zu ausführlich. Trotzdem werde ich nicht das Gefühl los, das alles nur Oberflächlich angekratzt wird und viel mehr aus dem Thema Werwölfen in Städten hätte herausgeholt werden können. Und sobald es wirklich interessant wird, läßt es den Leser im Dunkeln oder gibt nur sehr wenig Informationen.

 

So hinterlässt das Buch einen zwiespältigen Eindruck. Es handelt sich um ein fast schon traditionelles Stammesbuch mit den bekannten Themen aus Sicht der Glaswandler. Eine weitere Variation der bereits erschienen Stammesbücher ohne wirklich neues zu bieten. Ruhigen Herzens kann ich es deshalb nur Spielleiter und Spieler empfehlen, die sich sowieso näher mit diesen Wölfen unter Schafen beschäftigen wollten. Alle anderen können es ohne zu bereuen im Regal ihres Händler liegen lassen.

 

 

[ christoph fischer ]

[ alchemy(at)avalon-projekt.com ]


 

 


Stand:  2004-07-22 11:47 | Es ist 1 Besucher online. | Ihr seid nicht angemeldet.