Traumsaat
Autoren: Oliver Graute
Art: Quellenband
Softcover - 120 Seiten – Feder&Schwert
Erscheinungsdatum: Mai 2002
ISBN: 3-935282-46-X
Erhältlich bei: Amazon
„Dies sind die Aufzeichnungen des Fra Domenico, zusammengefaßt im Jahre 2654 aus den dreizehn Tagebüchern, die ihm im Laufe seiner Wanderung durch Europa oft eine schwere Last geworden sind, und aufbereitet für den Pontifex Maximus Petrus Secundus und das ehrwürdige Konsistorium.“
_Mit diesen Worten beginnt das Quellenband Traumsaat für das Erzählspiel Engel aus dem Hause Feder&Schwert. Es handelt sich dabei sozusagen um das Monster-Set mit Beschreibungen der Widersacher für die Spielercharaktere – die Traumsaat, welche im Grundregelwerk mit gerade mal zwei Kreaturen mehr als kurz behandelt wurden. Schon nach den ersten Seiten fällt aber auf, daß es sich dabei nicht um ein weiteres Monsterbuch mit mehr oder weniger tabellarischer Auflistung der Arten und ihrer Werte handelt. Das erste Quellenband für Engel stellt ein Buch im Spiel dar, also ein Werk, welches so in der Spielwelt existiert. Es ließt sich dementsprechend auch eher wie ein Roman in Tagebuchform. Dieser ist durchaus gut geschrieben, obwohl man natürlich keine Tiefe und Spannung wie bei einem „richtigen“ Roman erwarten darf, da das vorherrschende Anliegen natürlich ist die verschiedenen Traumsaatkreaturen vorzustellen.
Das Layout des Quellenbandes ist ganz im qualitativ hochwertigen Stil der anderen Engel-Bücher, wobei die Seitenränder ab und an mit zusätzlichen „handschriftlichen“ Kommentaren versehen sind, die den eigentlichen Text ergänzen oder in neuem Licht beleuchten. In Kombination mit der Imitation von dunkel-braunem Pergament und Gebrauchsspuren macht es die einzelnen Seiten zu einem visuellen Vergnügen. Weiterhin unterstreicht es den Eindruck, daß es sich um ein Buch im Spiel handelt. Das i-Tüpfelchen sind die fast 40 detailreichen Illustrationen von Jean Linnhoff. Sie zeigen größtenteils ganzseitige, anatomische Skizzen nach Art Leonardo Da Vinci von Traumsaatkreaturen, die wirklich stimmungsvoll die Beschreibungen in den Tagebüchern unterlegen.
In den ersten drei Kapiteln begleitet der Leser die kleine Gruppe um den Monarchen und Monstermaler Fra Domenico auf ihrer beschwerlichen Reise einmal um das Europa des 27. Jh. herum. Dabei erfährt man so manches über die Schrecken des Herrn der Fliegen, denen die Gruppe im Laufe ihrer Expedition begegnet. Gerade aber durch das erzählerische Herangehen an ein Monsterbuch erfährt man nicht nur alles mögliche über die Monster selbst, sondern hat gleichzeitig auch auf wunderbare Art einen tieferen Einblick in das Land, die Leute und so manches dunkle Geheimnis.
Ohne zuviel zu Verraten zu wollen ist in diesem Zusammenhang besonders der Abstecher ins rauchige und nur so von Traumsaatkreaturen wimmelnde Brandland zu erwähnen. Hier lüftet die Reisegruppe in Ansätzen das Geheimnis um die Entstehung der Traumsaat.
An diese drei Kapitel, die den größten Teil des Buches ausmachen, schließt sich der Appendix. Nach einer kurzen Beschreibung, wie die Kreaturen am Besten eingesetzt werden, folgt nun eine alphabetische Auflistung der Traumsaatkreaturen mit d20-Werten. Trotzdem ist diese Werte-Liste auch für diejenigen, die Engel mit den Arkana-Karten spielen, interessant, da sie einen guten Vergleich über die Stärke der Kreaturen zu den Engeln geben, so daß man diese besser ausspielen kann.
Durch die Aufteilung in Tagebücher und Appendix mit eigentlichen Regelwerten wird das Problem Charakter- und Spielerwissen hervorragend gelöst, indem die Spieler von vornherein keinen sofortigen Blick auf die Werte der einzelnen Kreaturen erhaschen können. So ist es dem Erzähler möglich den Spielern einzelne Seiten im Buch zu zeigen, z.B. ein Bild der Traumsaatkreatur, welches sie gerade angreift, ohne Gefahr zu laufen, daß diese durch einen „zufälligen“ Blick sofort auch alle Stärken und Schwächen der Kreatur sehen. Auch kann man den Spielercharakteren mal eine Seite oder gleich das ganze Buch im Spiel zu kommen lassen, und darum dann ein Abenteuer weben.
Leider wird diese Trennung umständlich, wenn man die im Appendix aufgelistete Beschreibung einer Traumsaatkreatur mit dem entsprechenden Bild weiter vorne in den Tagebüchern zusammenbringen will. Hier wäre ein zusätzlicher Verweis bei den einzelnen Beschreibungen auf die Seitenzahl, auf der sich das Bild befindet, sicher sehr hilfreich gewesen.
Fazit:
_Das Quellenband Traumsaat ist selbst in der sowieso schon qualitativ hochwertigen Engel-Reihe ein herausragendes Buch. Vom Layout über den Inhalt bis hin zu den Illustrationen besticht das Buch und macht es zu einem der besten Monsterbücher, die ich kenne. Ich kann es ohne Einschränkung jedem Engel-Erzähler und auch Spieler empfehlen, sofern letzterer sich nicht die Überraschung im Rollenspiel verderben möchte, wenn die eine oder andere neue Traumsaatkreatur plötzlich vor ihm steht.
Doch auch für nicht Engel-Spieler könnte das Buch interessant sein, falls sie einfach mal in die Welt des 27. Jh. reinschnuppern möchten, ohne sich gleich das teurere Grundregelwerk kaufen zu müssen, da Traumsaat einen sehr guten Überblick über die Stimmung und die Welt an sich gibt.
[ christoph fischer ]
[ alchemy(at)avalon-projekt.com ]
|