Ordensbuch Gabrieliten – Die Streiter des Herrn
Autoren: Verena Stöcklein, Oliver Graute
Art: Quellenband
Softcover - 104 Seiten – Feder&Schwert
Erscheinungsdatum: April 2003
ISBN: 3-935282-70-2
Erhältlich bei: Amazon
_Unter den fünf Kämpfenden Orden gibt es einen, der das unschuldige Weiß der Engel gegen die Farbe Schwarz getauscht hat. Benannt nach dem Erzengel Gabriel sind die Gabrieliten der wohl gefürchtetste Orden. Von ihrem Himmel in Nürnberg erheben sich die rächenden Engel Gabriels, um mit flammendem Schwert Gerechtigkeit walten zu lassen und die Feinde der Angelitischen Kirche für immer vom Antlitz der Erde zu fegen. Wann auch immer die schwarzen Kriegsröcke der Streiter des Herrn ihre Schatten über das Land werfen, keimt Hoffnung in den Herzen der Gläubigen und Furcht in den von Gott Abgefallenen auf.
Die Rückkehr der Traumsaat im Jahre 2605 verursachte eine gewaltige Flüchtlingsbewegung. Viele der Flüchtlinge suchten unter den Schwingen der Todesengel Schutz. Dadurch wuchs Nürnberg dermaßen, dass es heute die größte Metropole im Europa des 27. Jhd. ist - mit den ganzen Problemen, die viele Menschen auf engen Raum mit sich bringen.
Das Land Gabriels wird im Norden durch die kaum befahrene Nordsee begrenzt. Das nach der Zweiten Sintflut entstandene Rheinmeer zwischen Deutschland und Frankreich bildet zusammen mit der Westgrenze des ehemaligen Nordrhein-Westfalen die Trennlinie zwischen Gabrielsland und dem Gebiet der Raphaeliten. Im Süden endet das Herrschaftsgebiet der Todesengel mit den Alpen, die unter der Kontrolle des Ordens der Bewahrer stehen. Weiter im Osten dominieren die Ramieliten. Hier entspricht die Begrenzung des gabrielitischen Hoheitsgebiets den Grenzen Deutschlands vor der Flut.
Das als Softcover erschienene Ordensbuch Gabrieliten – Die Streiter des Herrn reiht sich gekonnt in die hochwertige Reihe von Publikationen zu Engel ein. Auf guten 104 Seiten beschäftigt es sich mit den angelitischen Todesengeln, ihrem Hoheitsgebiet und der Ordensburg selbst. Wie das Ordensbuch der Michaleiten ist es in fünf Kapitel und einen Appendix aufgeteilt, wobei jedes Kapitel durch eine stimmungsvolle Kurzgeschichte eingeleitet wird. Das Layout liegt auf bereits gewohnt hohem Niveau und Illustrator Tobias Mannewitz hat erneut meisterhafte Arbeit beim Artwork geleistet. Zahlreiche stimmungsvolle Bilder laden zum Verweilen ein. Allem voran beeindruckt aber wieder einmal die sich detailreich über drei DIN A4 Seiten erstreckende herausnehmbare Karte des Himmels der Streiter des Herrn. Darüber hinaus liefert das Buch Karten von Gabrielsland und der Stadt Nürnberg mit Vorstadt, Neustadt und Altstadt sowie der nahen umliegenden Gegend. Inhaltlich gewährt das Ordensbuchs einen weit tieferen Einblick in die Geheimnisse der Garbrieliten als es das der Michaeliten getan hat.
Nach einer einleitenden Kurzgeschichte geht Gabrieliten – Die Streiter des Herrn im Kapitel eins auf die vier Provinzen von Gabrielsland ein. Für jede Provinz werden auf 30 Seiten die Landschaft und das Klima, die Bevölkerung, die Wirtschaft und bedeutende Städte der Angelitischen Kirche, sowie besondere „Sehenswürdigkeiten“ ausführlich beschrieben. Den größten Teil des Kapitels nimmt dabei die Beschreibung der Metropole Nürnberg ein. Es wird auf das allgemeine Stadtbild und die drei Stadtteile mit den bedeutendsten Gebäuden und Plätzen im Besonderen eingegangen. Außerdem wird beschrieben, wie die Kirche versucht, die gewaltige Masse von Hilfsbedürftigen und Flüchtlingen mit dem Nötigsten zu versorgen und wie es den Gabrieliten gelingt die Kontrolle über die Menschenmassen zu behalten. Gegen Ende des ersten Kapitels beschreibt das Ordensbuch die wichtigsten Heiligen aus dem Land, das besondere Brauchtum der Gabrielsländer und ihre Art Feste zu Feiern und die Feiertage zu begehen.
Nach der Kurzgeschichte „Honig“, die einen tiefen Einblick in die gemeinsamen Geheimnisse der Raphaeliten und der Gabrieliten gewährt, widmet sich das Ordensbuch im zweiten Kapitel dem Himmel über Nürnberg. Alle wichtigen Bereiche von den tief unter der Erde liegenden geheimen Räumen, die kein nicht Eingeweihter jemals erblicken darf, bis hoch in den von der Sonne, aber auch vom Wind umspielten Gemächern der Äbtissin werden beleuchtet. Auch hier wird ersichtlich, wie weit doch die Streiter des Herrn und die Hüter der Schöpfung zusammenarbeiten. Das „Herbescum Raphaeliticum“ durchbricht auf halber Höhe die sonst dunkle Engelsfeste. Mit den in diesem Gewächshaus gezüchteten frischen Pflanzen und heilenden Kräutern werden die Krankenhallen in der Nürnberger Engelsburg versorgt.
Die den Übergang zum nächsten Kapitel einleitende Kurzgeschichte „Der Türmer“ klärt dann ein weiter vorne im Buch nur angeschnittenes Geheimnis der Gabrieliten nun vollends auf. Im sich anschließenden Kapitel drei „machinationes gabrielitorium“ dreht sich alles um die harte Ausbildung der jungen Engel von Beginn ihrer Reise auf Erden in der „Halle des Erwachens“ zu wahren Todesengeln. Hier erfährt der Leser auch von der besonderen Beziehung der Todesengel zu ihrem Flammenschwert, den Fraktionen innerhalb des Ordens und neuen, schrecklichen Mächten. Den Abschluss dieses Abschnittes bilden fünf Beispielcharaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, mit Hintergrundgeschichte, d20-Werten und einem ganzseitigen Charakterportrait.
Nach diesem recht ausführlichen Kapitel wird - im Vergleich dazu - nur sehr kurz auf die Aktivitäten des Ordens außerhalb Gabrielsland eingegangen. Kapitel vier „gabrieliti extra fines“ beginnt mit der Beschreibung des bereits im Grundregelwerk erwähnten größten Bauprojekts seit der Errichtung der Himmel - dem Bau des „Tores zum Paradies“. Gemeinsam mit den Bewahrern der Wege arbeiten die Gabrieliten an der südlichsten Spitze Urielsland an einer riesigen Brücke nach Afrika, in dem die Ibeter den Garten Eden erkannt zu haben glauben. Hiernach wird der Leser in die Regenwälder des heutigen Ungarns entführt. Von einem vorsintflutlichen Gebäude aus planen seit Jahren die dort stationierten Templer einen Angriff auf die Diadochenstadt Budapest. Daran anschließend wird auf die möglichen Konflikte innerhalb der Scharen eingegangen, die durch die wichtige Rolle des Gabrieliten als Vollstrecker, entstehen können, sowie auf die Sichtweise des Klerus über die Gabrieliten und ihrem gewaltigen Expansionsdrang.
Im fünften Kapitel „dramatis persona“ geht es um wichtige Persönlichkeiten. Hier wird von denen, die das Schicksal der Erde formen, berichtet: allen voran Em Susat von Nürnberg, der Stimme des Erzengel Gabriel auf Erden, und ihrer Priorin Magdalen von Weimar, die mit ihrer Güte und ihrem Wohlwollen einen starken Gegensatz zu ihrer direkten Vorgesetzten bildet. Neben dem kirchentreuen Kustos der Gabrielitentempler wird hier auch zum ersten Mal ausführlich ein entthronter Diadoche beschrieben: Roderik von Ansbach - ein Dorn im Auge Em Susats. Er versucht nach der Vernichtung seiner Stadt durch Engelsscharen und Gabrielitentempler, die Untertanen der Angelitischen Kirche endlich zum Nachdenken zu bewegen und ruft sie dazu auf, nicht blind auf die Worte des Klerus zu vertrauen. Alle vier Charaktere sind ausführlich beschrieben. Von der Hintergrundgeschichte über das Aussehen bis hin zum Wesen erfährt der Erzähler alles, um lebendige Antagonisten in seine Spielrunden einbauen zu können. Natürlich sind auch die d20-Werte angegeben.
Im „Appendix“ werden die Hilfsmitteln des Kriegshandwerks - Waffen und Rüstzeug - beschrieben, die den Streitern des Herrn zur Verfügung stehen. Daneben findet sich die Beschreibung von Errungenschaften aus den Laboren Nürnbergs, wie die lebenswichtige Flammensalbe. Aus der Reihe der Beschreibungen fällt dabei die Vibrolanze, die nur von den vernichteten Bewahrern der Vergangenheit, den Ragueliten, getragen werden konnte.
Fazit:
_Das Ordensbuch Gabrieliten – Die Streiter des Herrn bietet alles, was das (Rollenspieler-)Herz begehrt. Das Layout ist auf hohem Niveau, die Bilder der Engel sind wunderschön zu betrachten und am Inhalt wird nicht gegeizt. Gerade die stimmungsvollen Überleitungen in Form von Kurzgeschichten von einem zum nächsten Kapitel füllen nicht nur die Seiten des Buches, sondern gewähren dem Leser tiefe Einblicke in die Geheimnisse der Gabrieliten. Weil das Ordensbuch aber an unterschiedlichen Stellen seine Geheimnisse freigibt, darf es nicht unbekümmert Spielern in die Hand gedrückt werden, wenn man diese noch gerne überraschen möchte. Die Krönung des Ordensbuchs ist aber wieder einmal die 3-seitige Karte des Himmels der Todesengel, die mit Detailreichtum beeindruckt. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass sie nicht die Geschosse unter der Erde zeigt. Doch mit unserer Unkenntnis sind wir in guter Gesellschaft. Selbst die wenigen Eingeweihten, die dort unten arbeiten, kennen nur Bruchteile der endlosen Flure und Hallen unter dem Himmel. Viele Bereiche sind sogar versiegelt, und niemand weiß, was für Schrecken dahinter verborgen sind.
Das Ordensbuch Gabrieliten – Die Streiter des Herrn kann ich jedem Erzähler des Rollenspielsystems Engel und Spieler von Gabrieliten empfehlen. Überall im Ordensbuch findet man Stoff für neue Abenteuer und Geschichten: von der aus dem Nordmeer kommenden Traumsaat, über die Probleme in Gabrielsland und in der größten Stadt Europas selbst, bis hin zu dem seit dem Europakonzil neu ausgerichteten gabrilitischen Expansionsdrang. Auch Liebhaber schöner Regelwerke kann ich dieses Buch ans Herzen legen. Ich erwarte auf jeden Fall bereits fieberhaft das für August angekündigte nächste Ordensbuch, welches sich dann den Raphaeliten widmet.
[ christoph fischer ]
[ alchemy(at)avalon-projekt.com ]
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