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Was ist Rollenspiel?

von Goliath

 

 

I, I would be King

And you, you would be queen...

We could be heroes

Just for one day

 

- David Bowie, Heroes

 

 

_Was ist Rollenspiel eigentlich? Sicherlich fragen sich viele das, denn nicht selten hört man davon, doch nur wenige wissen genau um was es sich dabei handelt.

 

Rollenspiel ist etwas, das weit mehr im Geiste als in der materiellen Welt geschieht. Es ist ein Spiel des so-tun-als-ob und natürlich des Erzählens. Doch mag auch der Begriff Spiel etwas verwirren, denn am Ende eines Rollenspielabends wird es nur sehr selten Sieger geben - hier geht es weit mehr um das eigentliche Spielen als um das Gewinnen.

 

Wenn Sie noch nie an einem Rollenspiel teilgenommen haben, mag diese Vorstellung zunächst verwirrend erscheinen. Wenn Sie jedoch erst einmal die Grundidee erfaßt haben, werden Sie feststellen, daß es so seltsam gar nicht ist, sondern eigentlich merkwürdig vertraut.

 

Gemeinsam mit Freunden können sie Geschichten von Siegen und Niederlagen, von Träumen, Poesie und Macht, vom Leben, Lieben und Sterben erspielen, erleben, erleiden. Abenteuer voller Gefahren, heroischer Taten und finsterer faszinierender Schurken. Szenarien aus den dunkelsten Winkeln Ihres Unterbewußtseins. Und im Zentrum des Geschehens steht nicht irgendein weltfremder Held, sondern Sie selbst und Ihre Mitspieler.

 

Diese Abenteuer werden Ihre Phantasie wesentlich leichter in ihren Bann ziehen als jedes noch so perfekt inszenierte Schauspiel, jeder Film. Denn ist man selbst ein mächtiger Magier der elementaren Künste so gibt es wahrhaftig keine Grenzen außer denen, die man sich selbst setzt. Die Möglichkeit der Verwandlung der eigenen Person in eine andere, der Versetzung an andere Schauplätze kann Rollenspiel besser leisten als jeder noch so spannende Film oder Roman, schließlich können Sie selbst in der Geschichte agieren und sind nicht gezwungen die Rolle des passiven Betrachters einzunehmen.

 

Das Rollenspiel kann Ihnen die Möglichkeit bieten, all das auszuprobieren, was Ihre Phantasie bevölkert. Dabei werden Sie Charaktere erschaffen, die vielleicht ein Spiegel Ihrer selbst sind, Ihnen aber vielleicht auch einen Weg eröffnen, jemand ganz anderes zu sein.

 

Die Geschichten werden nicht einfach nur ausgedacht, sie werden durchlebt von jedem einzelnen Mitspieler, indem sie die Rollen der Hauptcharaktere übernehmen.

 

 

Der Allmächtige sollte alles fürchten.

 

- Pierre Corneille, Cinna

 

 

_Um ein solches Spiel, das mit einigen Stiften, einem Charakterbogen pro Spieler, mehreren Würfeln unterschiedlichster Art und einem Regelwerk auskommt, zu spielen, genügen jedoch nicht einfach die Spieler. Es ist jemand vonnöten, der diesen ihre Interaktion mit der erdachten Welt überhaupt erst möglich macht.

 

Ein Erzähler oder Meister stellt sämtliche Sinne der Charaktere da, da er den Spielern die Szenarien beschreibt, die grob gefaßte Geschichte erzählt und den Part aller anderen Personen übernimmt, die irgendwie auftauchen.

 

Eine solche Position ist nicht allzu heiß begehrt, denn da man sich nicht auf einen einzigen Charakter konzentrieren kann sondern deren unzählige spielt, beständig auf die Entscheidungen der Spieler eingehen muß und dennoch zu versuchen hat sie mit möglichst fesselnden Ideen und Geschichten zu unterhalten, steht einem bald der Schweiß auf der Stirn.

 

Andererseits hat diese Rolle ihren ganz besonderen Reiz. Wer wollte nicht schon einmal Herr über Leben und Tod sein, das Schicksal einer ganzen Welt lenken und ein paar ahnungslose vertrauensselige Abenteurer von einer Gefahr in die nächste scheuchen. Ganz davon abgesehen, daß man als Meister nicht unbedingt an die Regeln gebunden ist.

 

Doch Schande über den Erzähler, der seinen Spielern aufgrund übersteigerten Machtbedürfnisses die Freude raubt.

 

Ein Amt mit vielen Lasten doch mindestens ebenso vielen Freuden. Und ohne einen mitleidsvollen, vielleicht ein bißchen bösartigen Menschen, der sich dafür zur Verfügung stellt, geht leider gar nichts.

 

 

Wer nichts dem Zufall überläßt, macht wenige Fehler, tut aber auch sehr wenig.

 

- Lord Halifax, Politische, moralische und vermischte Überlegungen

 

 

_Jedes Rollenspiel benötigt trotz der relativen Einfachheit ein paar wichtige Regeln, denn auch ein noch so phantastisches Abenteuer soll doch einen gewissen Realismus bewahren. Manche Charaktere mögen vielleicht wahre Übermenschen sein, doch auch sie müssen sich den Gesetzen beugen, die für alles Leben gilt.

 

Um wirklich den eigenen Charakter ausspielen zu können, muß man auch seinen Schwächen kennen, seine Probleme akzeptieren und einsehen, daß manche anderen Wesen des Spiels in einer bestimmten Kategorie besser bewandert sein können.

 

So ist zum Beispiel zu gewährleisten, daß es für den Spieler eine Hürde darstellt der Spur des orkischen Stoßtrupps zu folgen. Er muß versuchen seine Fähigkeiten im Spurenlesen einzusetzen, nur um enttäuscht zu erkennen, daß diese praktisch nicht vorhanden sind.

 

Denn das ist ein weiterer Aspekt des Rollenspiels, der den Reiz verstärkt. Man spielt nicht einfach irgendeinen Typen, behauptet er wäre ein Krieger und läßt ihn so auf die Welt los. Jeder einzelne Charakter ist zu entwickeln, der Spieler muß entscheiden, worin er besonders gut oder worin er nicht so gut sein soll und verteilt dann die Werte, die später die Wahrscheinlichkeit des Würfelergebnis beeinflussen.

 

In Bereichen, die der Spieler als wichtig erachtete ist es für ihn also einfacher einen Erfolg bei einer Handlung zu verzeichnen, als in Fertigkeiten, die er seinem Charakter vorenthielt.

 

 

You better laugh with the sinners

Than cry with the saints

For only the good die young.

 

- Billy Joel, Only the good die young

 

 

_Auch im Spiel ist der Tod möglich. Und auch wenn es ein Spiel ist, so ist jeder Tod tragisch. Jeder Spieler, der seinen Charakter so ausspielte, wie es sein sollte, dessen Herz wird brechen wenn er die unnachgiebige Stimme des Meisters den Tod seines Alter Egos verkünden hört.

 

Man hat mit seinem Charakter einiges durchlebt, viel Ruhm erlangt und sich eine Stelle in der Gruppe der Gefährten erarbeitet.

 

Doch gerade, daß man solche Emotionen erleben kann, macht den wahren Reiz des Rollenspiels aus. Man ist für seine Taten verantwortlich, und das bis zum bitteren Ende. Was man den Charakter tun läßt, das hat Konsequenzen, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Und nur selten läßt sich der Erzähler erweichen, dem Spieler noch eine Chance zu geben. Denn selbst im Spiel gibt es kein Zurück. Allein 'göttliche' Gnade kann dann noch einmal das Rad des Schicksals herumreißen. Was jedoch in etwa so häufig geschieht, wie in der Wirklichkeit außerhalb des Spiels.

 


 

 


Stand:  2003-10-27 23:23 | Es ist 1 Besucher online. | Ihr seid nicht angemeldet.